Degenerative Myelopathie beim Hund - allmählicher Verlust der Kontrolle über die Hinterbeine
Degenerative Myelopathie beim Hund - allmählicher Verlust der Kontrolle über die Hinterbeine
Wichtig vorab: Fidello ist kein Tierarzt. Diese Seite dient der Information und ersetzt keine Diagnose. Bist du dir unsicher über die Gesundheit deines Hundes, oder erkennst du die unten beschriebenen Anzeichen? Wende dich immer an einen Tierarzt.
Degenerative Myelopathie ist eine allmählich fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, bei der ein Hund langsam die Kontrolle über seine Hinterbeine verliert. Die Erkrankung entwickelt sich meist im höheren Alter, verläuft in der Regel schmerzfrei und ist derzeit nicht heilbar. Mit der richtigen Begleitung kann die Lebensqualität eines betroffenen Hundes noch geraume Zeit gut bleiben.
Was ist degenerative Myelopathie?
Bei degenerativer Myelopathie baut sich die schützende Isolierschicht (Myelin) rund um die Nervenbahnen im Rückenmark allmählich ab. Dadurch werden Signale zwischen Gehirn und Hinterbeinen zunehmend schlechter übertragen. Die Erkrankung wird in der Fachliteratur häufig mit ALS beim Menschen verglichen, auch wenn es sich um eine eigenständige, hundespezifische Erkrankung handelt. Untersuchungen weisen eine Mutation im sogenannten SOD1-Gen als wichtigen Risikofaktor aus, wobei ein Hund in der Regel zwei Kopien der veränderten Genvariante benötigt, bevor das Risiko deutlich steigt. Nicht jeder Hund mit dieser Genvariante entwickelt tatsächlich Beschwerden.
Welche Hunde sind gefährdet?
Degenerative Myelopathie wird nahezu ausschließlich bei erwachsenen bis älteren Hunden gemeldet, meist ab etwa acht Jahren. Am häufigsten wird die Erkrankung beim Deutschen Schäferhund beschrieben, daneben relativ häufig auch beim Pembroke Welsh Corgi, beim Boxer, beim Rhodesian Ridgeback und beim Chesapeake Bay Retriever. Vereinzelte Fälle sind auch bei verschiedenen anderen Rassen gemeldet worden. Für die Risikogenvariante gibt es einen DNA-Test, der angibt, ob ein Hund frei ist, Träger ist oder ein erhöhtes Risiko hat - ein erhöhtes Risiko im Test ist jedoch keine Diagnose und keine Garantie, dass ein Hund jemals Beschwerden entwickelt.
Symptome
Die ersten Anzeichen sind oft subtil: ein Hinterbein, das gelegentlich über den Boden schleift, Krallen, die dadurch schneller und ungleichmäßig abgenutzt werden, eine etwas wacklige oder unsichere Hinterhand, oder Ausrutschen auf glatten Böden. In den folgenden Monaten kann die Schwäche in den Hinterbeinen allmählich zunehmen, zusammen mit einem weniger koordinierten Gangbild. In einem fortgeschritteneren Stadium kann ein Hund die Hinterbeine nicht mehr einsetzen, und auch die Kontrolle über Blase und Darm kann nachlassen. Bei manchen Hunden breitet sich die Schwäche schließlich auf die Vorderbeine aus. Degenerative Myelopathie wird üblicherweise als nicht-schmerzhafte Erkrankung beschrieben, was sie von manchen anderen Rückenmarkserkrankungen mit ähnlichen Symptomen unterscheidet.
Wann zum Tierarzt?
Wende dich an einen Tierarzt, sobald du ein Schleifen, eine wacklige Hinterhand oder eine andere Ungeschicklichkeit in den Hinterbeinen deines Hundes bemerkst, auch wenn dies noch mild erscheint. Verschiedene Erkrankungen können sich ähneln, und manche davon - etwa ein Bandscheibenvorfall - erfordern gerade schnelles Handeln und sind mitunter gut behandelbar. Bemerkst du, dass dein Hund plötzlich (statt allmählich) nicht mehr auf den Hinterbeinen stehen kann, deutlich Schmerzen zu haben scheint, oder dass sich die Verschlechterung in kurzer Zeit stark beschleunigt, geh dann zeitnah zu einem Tierarzt oder einer Tierklinik: dieses Muster passt weniger zu degenerativer Myelopathie und kann auf eine Erkrankung hinweisen, die dringend beurteilt werden muss.
Wie wird sie festgestellt?
Es gibt keinen einfachen Test, der degenerative Myelopathie zu Lebzeiten des Hundes mit vollständiger Sicherheit nachweist. Ein Tierarzt stellt die Diagnose daher zunächst als Verdachtsdiagnose, auf Basis einer neurologischen Untersuchung und durch den Ausschluss anderer Ursachen derselben Symptome, etwa eines Bandscheibenvorfalls, eines Tumors oder anderer Rückenmarkserkrankungen. Bildgebende Verfahren wie eine MRT-Untersuchung kommen dabei häufig zum Einsatz. Ein positiver DNA-Test auf die Risikogenvariante kann den Verdacht unterstützen, bestätigt die Diagnose aber nicht für sich allein, da nicht jeder Hund mit dieser Genvariante Beschwerden entwickelt. Eine vollständig gesicherte Diagnose ist laut Fachliteratur nur durch eine mikroskopische Gewebeuntersuchung des Rückenmarks nach dem Tod möglich.
Behandlung im Überblick
Es gibt derzeit keine Behandlung, die degenerative Myelopathie heilt oder den zugrunde liegenden Krankheitsprozess stoppt. Die Begleitung, die ein Tierarzt vorschlagen kann, zielt vor allem darauf ab, den Hund so lange und so komfortabel wie möglich mobil zu halten. Gezielte Rehabilitation oder Physiotherapie, aufgestellt und begleitet von einem Tierarzt oder einem anerkannten Tier-Physiotherapeuten, wird in Untersuchungen als die Form der Unterstützung genannt, die die Funktionsfähigkeit des Hundes am besten erhalten helfen kann. Welches Vorgehen für deinen Hund passend ist, entscheidet immer der behandelnde Tierarzt, abhängig unter anderem von Rasse, Alter und der Geschwindigkeit, mit der die Erkrankung bei diesem individuellen Hund verläuft.
Was du selbst tun kannst
Sprich mit deinem Tierarzt über eine Überweisung zur Tier-Physiotherapie oder Rehabilitation, und halte deinen Hund im Rahmen dieses begleiteten Programms so lange wie möglich ruhig in Bewegung. Sorge für ausreichend Halt im Haus, zum Beispiel mit rutschfesten Matten auf glatten Böden, damit Ausrutschen seltener vorkommt. Ein stützendes Geschirr kann helfen, einem Hund mit schwächerer Hinterhand beim Aufstehen und Laufen zu helfen; besprich mit deinem Tierarzt oder Physiotherapeuten, welches Hilfsmittel zu welchem Zeitpunkt geeignet ist. Achte auf ein gesundes Gewicht deines Hundes, da Übergewicht die Hinterbeine zusätzlich belastet. Nimmt die Mobilität weiter ab, kann ein Hunderollstuhl helfen, deinem Hund noch länger selbstständige Bewegung zu ermöglichen; zudem ist eine regelmäßige Kontrolle der Haut im Bereich der Hinterhand ratsam, um Druckstellen frühzeitig zu erkennen. All dies unterstützt, ersetzt aber keine tierärztliche Betreuung.
Vorbeugung und verantwortungsvolle Zucht
Da die Risikogenvariante vererbbar ist, liegt ein Teil der Vorbeugung in verantwortungsvoller Zucht: DNA-Untersuchung von Zuchttieren auf die Risikogenvariante und Zurückhaltung bei der Verpaarung zweier Tiere, die beide Träger sind oder ein erhöhtes Risiko haben, vor allem bei Rassen, bei denen die Erkrankung häufiger gemeldet wird. Für einzelne Hundehalter gibt es keine erwiesene Möglichkeit, das Auftreten von degenerativer Myelopathie zu verhindern; Wachsamkeit gegenüber frühen Anzeichen bei einem Hund aus einer Risikorasse kann jedoch helfen, rechtzeitig einen Tierarzt aufzusuchen.
Leben mit degenerativer Myelopathie
Die Geschwindigkeit, mit der die Erkrankung verläuft, unterscheidet sich stark von Hund zu Hund; in der Fachliteratur wird häufig ein Zeitraum von einigen Monaten bis etwa zwei Jahren zwischen den ersten deutlichen Anzeichen und einer stark eingeschränkten Mobilität genannt, wobei größere Hunde im Schnitt schneller abzubauen scheinen als kleinere Hunde. Mit abnehmender Mobilität wird die Anpassung der Wohnumgebung wichtiger: eine feste, vertraute Einteilung, rutschfester Untergrund und gegebenenfalls Hilfsmittel wie eine Rampe oder ein Hunderollstuhl. Viele Halter arbeiten in dieser Phase eng mit ihrem Tierarzt und, wo verfügbar, einem Tier-Physiotherapeuten zusammen, um Komfort und Mobilität möglichst lange in Balance zu halten. Verschlechtert sich die Lebensqualität, ist dies ein Moment, um gemeinsam mit deinem Tierarzt ehrlich über die passenden nächsten Schritte zu sprechen.
Häufig gestellte Fragen
Hat mein Hund Schmerzen durch degenerative Myelopathie?
Die Erkrankung selbst wird üblicherweise als nicht-schmerzhaft beschrieben; sichtbare Schmerzen deuten eher auf eine andere Ursache hin und sind ein Grund, dies mit deinem Tierarzt zu besprechen.
Kann degenerative Myelopathie geheilt werden?
Nein, es gibt keine bekannte Heilung; die Begleitung zielt darauf ab, Mobilität und Komfort so lange wie möglich zu erhalten.
Mein Hund testet positiv auf die Risikogenvariante - bedeutet das, dass er erkrankt?
Nicht unbedingt: Ein positives Testergebnis weist auf ein erhöhtes Risiko hin, aber nicht jeder Hund mit diesem Ergebnis entwickelt tatsächlich Beschwerden.
Wie schnell schreitet degenerative Myelopathie voran?
Das ist von Hund zu Hund unterschiedlich und scheint teilweise mit der Rassengröße zusammenzuhängen; besprich den erwarteten Verlauf bei deinem Hund mit dem behandelnden Tierarzt.
Fazit
Degenerative Myelopathie ist eine allmählich fortschreitende, in der Regel nicht-schmerzhafte Erkrankung des Rückenmarks, die vor allem bei älteren Hunden bestimmter Rassen auftritt und derzeit nicht heilbar ist. Da die Symptome anderen, teils behandelbaren Erkrankungen ähneln können, ist eine zeitnahe tierärztliche Untersuchung wichtig. Mit gezielter Begleitung, angepasster Betreuung zu Hause und, wo möglich, Physiotherapie kann ein betroffener Hund oft noch geraume Zeit eine gute Lebensqualität behalten.
Zum Schluss
Zum Schluss: Dieser Artikel ersetzt keinen Tierarztbesuch. Fidello stellt keine Diagnosen und schreibt keine Behandlungen vor. Bei Zweifeln, anhaltenden Beschwerden oder akuten Anzeichen ist ein Tierarzt immer der richtige nächste Schritt.