Warum frisst mein Hund Kot? Ursachen der Koprophagie und wie du sie stoppst
, Von Michael van Wassem, 5 min Lesezeit
Dein Hund frisst seinen eigenen Kot und du weißt nicht warum? Das sind die möglichen Ursachen der Koprophagie und der Ansatz, der wirklich hilft.
Dein Hund macht draußen sein Geschäft – und frisst es anschließend auf. Für viele Halter ist das eine der unverständlichsten und unangenehmsten Angewohnheiten, die ein Hund haben kann. Dennoch ist Koprophagie, das Fressen von (eigenem oder fremdem) Kot, viel gewöhnlicher, als man denkt, und meist kein Zeichen dafür, dass mit deinem Hund grundsätzlich etwas nicht stimmt. In diesem Artikel erfährst du, woher dieses Verhalten kommen kann, wann du aktiv werden solltest und welcher Ansatz wirklich hilft.
Kurze Antwort: Warum frisst mein Hund Kot?
Koprophagie hat meist eine von drei Ursachenarten: verhaltensbedingt (Langeweile, Aufmerksamkeitssuche, erlerntes Verhalten), ernährungsbedingt (ein Mangel an Nährstoffen oder Enzymen, oder zu wenig Futter) oder medizinisch (Parasiten, ein Verdauungsproblem oder eine hormonelle Erkrankung). Bei Welpen bis etwa zehn Wochen ist es zudem oft einfach neugieriges, erkundendes Verhalten. Bei den meisten erwachsenen Hunden ist die Ursache verhaltensbedingt und harmlos, aber plötzlich auftretendes Verhalten, Gewichtsverlust oder veränderter Kot sind Gründe, den Tierarzt aufzusuchen.
Mögliche Ursachen: Verhalten, Ernährung oder Gesundheit
Um Koprophagie anzugehen, hilft es zu verstehen, welche Ursachenkategorie am besten zu deinem Hund passt.
Verhaltensbedingte Ursachen
Langeweile und zu wenig Beschäftigung: Ein Hund, der sich geistig oder körperlich nicht ausreichend auslasten kann, sucht sich schneller eine eigene Beschäftigung – auch unerwünschte.
Aufmerksamkeit suchen: Wenn du heftig reagierst, sobald dein Hund Kot frisst, kann er das (unbeabsichtigt) als Aufmerksamkeit deuten und das Verhalten wiederholen.
Erlernt während der Stubenreinheitserziehung: Ein Welpe, der einmal streng korrigiert wurde, nachdem er drinnen ein Malheur hatte, kann lernen, dass Kot „gefährlich“ oder ‚etwas zum Verstecken“ ist, und ihn deshalb schnell auffressen.
Instinktives Verhalten bei Welpen: Eine Hündin räumt das Nest ihrer Welpen auf, indem sie deren Kot frisst. Welpen selbst zeigen dieses Verhalten oft noch bis etwa zehn bis zwölf Wochen, was normal ist.
Stress oder Angst: Hunde, die angespannt sind, etwa durch Veränderungen im Haushalt, können dies als Bewältigungsverhalten entwickeln.
Ernährungsbedingte Ursachen
Minderwertiges oder schlecht verdauliches Futter: Enthält das Futter wenig Nährstoffe, bleibt im Kot manchmal noch Geruch und Reste zurück, die einen Hund anziehen.
Zu wenig Futter: Ein Hund, der dauerhaft zu wenig frisst, sucht möglicherweise nach zusätzlichen Kalorien.
Enzym- oder Vitaminmangel: Manchen Hunden fehlen Verdauungsenzyme, wodurch Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden.
Medizinische Ursachen
Darmparasiten wie Würmer können die Nährstoffaufnahme stören.
Exokrine Pankreasinsuffizienz (die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig Verdauungsenzyme).
Malabsorptionsstörungen oder chronische Darmprobleme.
Hormonelle Erkrankungen wie Diabetes oder das Cushing-Syndrom, die den Appetit steigern können.
💡 Bist du unsicher über die Ursache, oder geht das Verhalten mit Gewichtsverlust, einem aufgeblähten Bauch oder verändertem Kot einher? Lass deinen Tierarzt dann eine medizinische Ursache ausschließen, bevor du dich allein auf Verhaltenstraining verlässt.
Ist es gefährlich für meinen Hund?
Das Fressen des eigenen, frischen Kots ist bei einem gesunden, regelmäßig entwurmten Hund meist wenig riskant. Anders sieht es beim Fressen von Kot anderer Tiere aus, etwa aus der Katzentoilette, von Artgenossen im Park oder von Wildtieren: Darin können Parasiten (wie Wurmeier oder Giardien) und schädliche Bakterien enthalten sein, die deinen Hund krank machen können. Achte deshalb auf eine aktuelle Entwurmung und halte deinen Hund möglichst von fremdem Kot fern.
Praktische Tipps, um Koprophagie zu stoppen
Sofort aufräumen. Die wirksamste Maßnahme: Gib deinem Hund einfach keine Gelegenheit. Räume den Garten täglich ab und entferne Kot beim Spaziergang sofort.
Trainiere ein klares „Lass das“ oder „Aus“. Bringe deinem Hund bei, auf Kommando von etwas wegzugehen, und belohne das mit einem leckeren Snack aus der Hand – so wird Weggehen attraktiver als Fressen. Praktisches Trainingsmaterial findest du in unserem Sortiment für Hundetraining.
Überprüfe die Futterqualität. Ein vollwertiges, gut verdauliches Futter mit den richtigen Nährstoffen kann das Verhalten verringern. Sieh dir unser Angebot an Trockenfutter an, wenn du unsicher bist, ob dein Hund genug bekommt.
Sorge für ausreichend Bewegung und geistige Auslastung. Ein Hund, der sich austoben kann, langweilt sich weniger schnell. Interaktives Spielzeug beschäftigt deinen Hund auf positive Weise.
Bestrafe niemals im Nachhinein. Ärger, nachdem es bereits passiert ist, versteht dein Hund nicht und kann die Anspannung rund um Kot sogar verstärken.
Lenke die Aufmerksamkeit ab. Geh nach dem Geschäft direkt weiter oder verlange ein anderes Verhalten (zum Beispiel Sitz) und belohne das.
Sichere die Katzentoilette vor deinem Hund, falls auch eine Katze im Haus lebt, etwa mit einer Katzenklappe oder einem abgesperrten Bereich.
Lass deinen Tierarzt mitschauen, wenn das Verhalten plötzlich beginnt, trotz obiger Maßnahmen anhält oder mit anderen Beschwerden einhergeht.
Checkliste: Koprophagie angehen
✅ Garten und Gassi-Runde sofort aufräumen
✅ Entwurmung aktuell
✅ Futterqualität und -menge überprüft
✅ Ausreichend tägliche Bewegung und geistige Auslastung
✅ „Lass das“ trainiert und belohnt
✅ Nicht nach dem Fressen bestraft
✅ Katzentoilette (falls vorhanden) für den Hund unzugänglich
✅ Tierarzt konsultiert bei Unsicherheit, Gewichtsverlust oder plötzlichem Beginn
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, dass mein Welpe das tut?
Ja, bei Welpen bis etwa zehn bis zwölf Wochen kommt das häufiger vor und wächst sich meist von selbst wieder aus. Hält es danach an, geh aktiv mit den oben genannten Tipps dagegen vor.
Helfen Sprays oder Geschmacksstoffe gegen Koprophagie wirklich?
Mittel, die den Kot geschmacklich weniger attraktiv machen, können ergänzend helfen, wirken aber am besten in Kombination mit Aufräumen, Training und ausreichend Beschäftigung – als alleinige Lösung reichen sie meist nicht aus.
Wann sollte ich wegen dieses Verhaltens zum Tierarzt?
Geh hin bei plötzlich auftretendem Verhalten bei einem erwachsenen Hund, bei Gewichtsverlust, verändertem Appetit, Durchfall oder aufgeblähtem Bauch. Auch wenn der Standardansatz nach einigen Wochen nichts bewirkt, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Kann mein Hund vom Kotfressen krank werden?
Beim eigenen, frischen Kot ist das Risiko bei einem gesunden, entwurmten Hund begrenzt. Das Risiko steigt bei Kot anderer Tiere, in dem Parasiten oder Bakterien enthalten sein können.
Zusammenfassung und Fazit
Ein Hund, der Kot frisst, ist für dich unangenehm, aber meist kein Grund zur Panik. In den meisten Fällen handelt es sich um Verhalten, das sich durch sofortiges Aufräumen, weniger Langeweile, positives Training und einen genaueren Blick auf die Futterqualität angehen lässt. Hält das Verhalten hartnäckig an, ändert es sich plötzlich, oder zeigen sich weitere Beschwerden? Dann lass einen Tierarzt mitschauen, um medizinische Ursachen auszuschließen. Mit dem richtigen Ansatz lässt sich Koprophagie bei den meisten Hunden gut verringern oder sogar ganz stoppen.